trendence Logo
Schwerpunktthema Medienwirtschaft
Schwerpunktthema Absolventenbarometer

Home » Schwerpunktthemen » Geisteswissenschaften » Berufseinstieg

Berufseinstieg & Karriere
in Medien, PR und Werbung


von Mira-Kristin Muth

Über Volontariat, Traineeprogramm und Praktikum in den Beruf


Die Arbeitsbereiche für Sprach- und Kulturwissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler sind vielfältig. Möchten Sie als Absolventin oder Absolvent im Bereich der Medien, PR oder Werbung tätig werden, ist ein Einstieg sehr gut über ein Praktikum, Volontariat oder Traineeprogramm möglich. Viele Praktikantinnen und Praktikanten werden nach erfolgreicher Zeit im Betrieb auch als Volontärin oder Volontär übernommen.

Volontariate und Traineeprogramme dauern in der Regel ein bis zwei Jahre und setzen ein abgeschlosse-nes Studium sowie erste Erfahrungen im re-daktionellen oder Agentur-Bereich und eine große Leidenschaft für Werbung, Kommunikation bzw. Journalismus voraus. Die Programme bereiten direkt auf die folgende Arbeitsstelle vor und vermitteln Grundlagen in allen dafür relevanten
Bereichen. Volontärinnen, Volontäre und Trainees wechseln üblicherweise im Verlauf der Ausbildung die Abteilungen bzw. Ressorts, um einen um-fassenden Einblick in das Unternehmen zu bekommen.

Besonders in der Medienbranche bekommen Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler oft nur durch ein Volontariat oder ein journalistisches Aufbaustudium einen Fuß in die Tür. Praktische Erfahrung in Form von Hospitanzen, Praktika oder beispielsweise freie journalistische Mitarbeit werden hier vorausgesetzt.

In der PR-Branche kommen Absolventinnen und Absolventen geisteswissen-schaftlicher Fächer meist in der strategischen Beratung zum Einsatz, sind für die Kontaktpflege zu Journalistinnen und Journalisten und für das Ver-fassen von Texten verantwortlich. Kreativität und ein guter Schreibstil sind hier wesentliche Fähigkeiten der potentiellen Bewerberinnen und Bewerber.

Die Aufgabengebiete des Werbefachs liegen vielfach im Projektmanage-ment, der Kundenberatung, Kreation und strategischen Planung. In den meisten Agenturen werden Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaft-ler nicht explizit gesucht. Sinnvoll ist es wie in den meisten Branchen auch hier, sich über das Studium hinaus passgenaue Qualifikationen anzueignen. Auch das Thema der Diplomarbeit beispielsweise kann so gewählt werden, dass es für den zukünftigen Arbeitgeber ansprechend ist.

Kulturbetriebe


Sie wollen „etwas mit Kultur machen“? Attraktive Möglichkeiten bieten sich Absolventinnen und Absolventen unter anderem im Verlag. Der Einstieg in die Kulturbranche ist nicht immer einfach und auch der weitere Berufsweg verläuft häufig nicht geradlinig. Mit Ausdauer und Zielbewusstsein können Sie als überzeugte Absolventin oder überzeugter Absolvent aber dennoch ihr Ziel erreichen. So können Sie zum Beispiel als Kulturmanager tätig werden.

Verlagswesen


Einer sehr großen Beliebtheit bei Bewerberinnen und Bewerbern mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund erfreuen sich die großen Buch-verlage. Hier bieten sich beispielsweise Stellen als Coaches, die stets auf der Suche nach neuen Autoren sind oder als Lektorinnen bzw. Lektoren, die Gutachten über noch unentdeckte Literatur verfassen oder Lizenzen für Bestseller aus dem Ausland einkaufen. Neben der Liebe zu Büchern braucht es jedoch mehr, um in der Verlagsbranche Fuß zu fassen, denn ganz wesentlich ist, dass die Bücher auch verkauft werden. Projektmanager müssen also zudem Marktzahlen auswerten können, Zielgruppen bestimmen und Produkte begleiten, bis sie verkaufsreif sind.

2006 arbeiteten laut Bundesagentur für Arbeit rund 22.200 sozialversiche-rungspflichtige Angestellte in den großen Buchverlagen. Diese Zahl liegt etwas höher als die im Jahr davor, jedoch viel niedriger als noch im Jahr 2002. Grund dafür ist die Konkurrenz der Online-Publikationen, die dem Buchhandel seit Jahren zu schaffen macht. Prognosen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zufolge wird die Zahl der zu besetzenden Stellen in der Buchbranche zukünftig jedoch konstant bleiben.

In das Verlagswesen hineinzukommen ist dennoch nicht einfach. Je nach Verlag wird spezielles Fachwissen oder eine Zusatzausbildung für den Berufseinstieg von Absolventinnen und Absolventen geisteswissenschaft-licher Fächer vorausgesetzt. Der traditionelle Weg geht auch hier oft über ein Praktikum und anschließendes Volontariat. Wer jedoch einmal einen Arbeitsplatz gefunden hat, hat gute Chancen, diesen erst einmal sicher beizubehalten.

Bei den großen Publikumsverlagen sind derzeit rund 80 Prozent der Volon-tärinnen und Volontäre Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenscheaftler. Durch die Digitalisierung erlebt die Buchbranche jedoch einen Umbruch, wie Monika Kolb-Klausch vom Börsenverein erläutert. So werden auch neue Jobprofile immer wichtiger. Spezialisten mit IT-Kenntnissen und Datenbank-Manager beispielsweise sind derzeit sehr stark nachgefragt.

Arbeitsbereiche im Verlag


Was genau tun studierte Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Verlag?

Pressechefin und Pressechef

Da ist beispielsweise der Beruf der Pressechefin, wie ihn Eva Brenndörfer beim Münchner Piper Verlag ausübt. Sie hat den amerikanischen Starautor Michael Moore („Stupid White Men“) auf seiner Tour durch Deutschland begleitet, außerdem Hape Kerkeling auf einer Lesereise betreut. Brenn-dörfer ist direkt dem Verleger unterstellt, unterstützt wird sie von zwei Pressereferentinnen, einer Stellvertreterin und einer Praktikantin. Ihr Team ist für sie essentiell, sagt die Pressechefin, neben der Autorenbetreuung muss sie viel Kommunikationsarbeit leisten. Intern steht sie mit allen Abteilungen des Verlags in Kontakt, extern mit Zeitungen, TV-Anstalten, Radiostationen und freien Journalisten.

Sie redet mit, wenn entschieden wird welche Bücher gemacht werden und sitzt wöchentlichen Planungssitzungen mit dem Verleger, der Marketing- und Werbeabteilung und Lektoren bei. Daneben gehört das Lesen von Manuskripten, Presseberichten und Gutachten über Bücher für sie zu den täglichen Aufgaben. Außerdem kommen Jubiläumsfeste des Piper Verlags hinzu, Präsentationen und andere Aktivitäten für die Imagepflege des Verlags sowie das Erdenken von Pressekampagnen. Interessierten Geistes-wissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern gibt Brenndörfer den Rat, der wohl Jedem bereits mehr als einmal zu Ohren gekommen ist: Macht Praktika! Das Wesentliche, um in der Branche Fuß zu fassen, sei irgendeinen Verlag von innen zu kennen. Sie selbst hat als gelernte Sozialpädagogin in einem Fachverlag angefangen, wo sie die Pressearbeit aufbaute. Brenndörfer wechselte als stellvertretende Chefin zu Piper und bekam einige Jahre später die Leitung übertragen.

Was junge Absolventinnen und Absolventen für die Arbeit im Verlag mit-bringen sollten? Starke Nerven als Basis, da sind sich die meisten Mit-arbeitenden der Presseabteilungen einig. Man muss stets freundlich bleiben, auch wenn immer wieder mit eigensinnigen Autorinnen und Autoren, Jour-nalistinnen und Journalisten zu kooperieren ist. Die eigene Person steht dabei nicht im Vordergrund. „Ein guter Pressechef“, so Pressechefin Claudia Limmer vom Münchner Heyne Verlag, „trägt vielleicht zu Ruhm und Ehre des Verlags bei, hält sich aber im Hintergrund.“

Neben den Interessen der Autorinnen und Autoren, Journalistinnen und Journalisten wollen die des Verlags wahrgenommen werden. Dazu braucht es einiges an diplomatischem Geschick. Dafür bietet sich die Chance, mit vielen interessanten Menschen und immer neuen Themen in Kontakt zu kommen.

Organisationstalent und Begeisterung für Literatur sind ebenso notwendig wie grundsätzliche Kommunikationsfähigkeit und Sinn fürs Geschäft, denn der Konkurrenzdruck im Verlagswesen ist hoch. Da die Zahl der produzierten Titel seit einigen Jahren steigt, haben die Pressereferentinnen und -refe-renten mehr zu tun. Umsatz- und Verkaufsquoten müssen berücksichtigt werden, ökonomisches Denken und Handeln ist gefragt.

Lektorin und Lektor

Ein weiterer beliebter Beruf in der Buchbranche ist der der Lektorin bzw. des Lektors. Als „Manager mit kreativer Ader“ beschreibt Till Kammerer die in diesem Beruf Tätigen in seinem Buch „Berufsstart und Karriere in Kunst, Kultur und Medien“.

Grundlage für Lektoratsvolontariate, die den Einstieg in den Beruf bilden, ist meist ein abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium. Die Volon-tariate dauern normalerweise zwei Jahre. Praktika erleichtern auch hier den Einstieg erheblich, ebenso Erfahrungen im Projektmanagement.

Voraussetzungen sind Sprachgefühl für das Redigieren von Manuskripten und kaufmännische sowie in geringerem Umfang technische Grundkennt-nisse. Zudem ist ein Gespür für den Lesergeschmack notwendig und stän-diges Überlegen, welche Titel das Verlagsprogramm bereichern könnten.

Die Einsatzbereiche der Lektorinnen und Lektoren sind vielfältig. Zu ihren konkreten Aufgaben zählen unter anderem

  • Betreuung von Buchprojekten
  • Überarbeitung von Hörfunk-Manuskripten und Drehbüchern
  • Konzeption und Pflege von Internetseiten und Datenbanken
  • Lektorat von Texten für CDs und CD-ROMs
  • Erstellen von Finanzierungsangeboten für Autorin bzw. Autor oder Her-ausgeberin bzw. Herausgeber und von Verträgen über die Realisierung des Buches
  • Arbeit am Manuskript (Prüfung des Textes auf Vollständigkeit, Vorbereitung des Manuskriptes für die Produktion im Verlag)
  • Recherchearbeiten und weitere redaktionelle Tätigkeiten wie das Ver-fassen von Klappentexten, Inhaltsverzeichnissen, Vorwort und Ein-leitung, Bildunterschriften, Kapitel- und Zwischenüberschriften
  • Entwicklung von Vorschläge für Bilder und Illustrationen, Umschlag-gestaltung


Nach zwei bis drei Monaten Bearbeitungszeit im Falle von Sachbüchern geht es an die enge Kommunikation mit Presse- und Marketingverantwortlichen des Verlags: Gesucht wird nach einer dem Titel angemessenen Werbung, es folgen beispielsweise das Verfassen einer Pressemitteilung oder die Konzep-tion eines Werbeblattes, das auf Messen, Tagungen und Konferenzen ver-teilt wird.

Stellenbörsen


Stellen für Lektoratsvolontärinnen und -volontäre und Lektorinnen und Lektoren finden sich in der Zeitschrift „arbeitsmarkt Bildung Kultur Sozial-wesen“ des Wissenschaftsladens Bonn (www.wilabonn.de).

Im Internet bietet der Stellen-Informations-Service des Arbeitsamtes unter www.arbeitsagentur.de Jobs an, außerdem die Seiten www.bookjobs.de und www.verlagsjobs.de sowie die Internetseite des Branchenblatts des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (www.boersenblatt.net). Alle Landesverbände des Börsenvereins haben zudem eigene Online-Stellen-börsen. Informationen zu Ausbildungswegen, die in die Verlage führen, bietet auch die Internetseite des Börsenvereins www.boersenverein.de.


Lesen Sie hier weiter, wie Sie Ihr sprach- und kulturwissenschaftliches Wissen in eine Karriere als Kulturmanager einbringen können.