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Berufseinstieg & Karriere


von Mira-Kristin Muth

Geisteswissenschaftler in Unternehmen


In Stellenanzeigen werden Geisteswissenschaftlerinnen und -wissen-schaftler sehr selten explizit gesucht. Jedoch hat der größte Teil der Absolventinnen und Absolventen nach ein paar Jahren einen Job. Viele Unternehmen zeigen sich heutzutage auch sprach- und kulturwissen-schaftlichen Studierenden gegenüber aufgeschlossen, wie eine Studie des IW von 2007 ergab.

Allgemein sind derzeit ein Drittel der Beschäftigten in internationalen Unternehmen Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Jedoch liegt die Zahl noch im einstelligen Prozentbereich. Geisteswissenschaft-lerinnen und -wissenschaftler müssen die harten Faktoren wie Betriebs-wirtschaftskenntnisse zusätzlich erwerben und so gesehen zuerst beweisen, dass sie auch praktisch veranlagt und für die Wirtschaft tauglich sind.

Die Commerzbank möchte dieses Jahr zum Beispiel insgesamt 280 Trainees einstellen und gibt an, vielseitige Leute zu suchen, denn sie legt Wert auf übergreifendes Denken. Außerdem sollen Bewerberinnen und Bewerber kreative Personen sein, die eigenverantwortlich und selbständig denken und gleichzeitig im Team handeln.

Die Banken schätzen an Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern im Allgemeinen Soft Skills wie Eigenständigkeit, gute analytische Fähig-keiten, sehr gute Allgemeinbildung, Neugierde und Fremdsprachenkennt-nisse.

Derzeit noch selten sind geisteswissenschaftliche Mitarbeiter beim großen Chemieunternehmen BASF – von 32.706 Beschäftigten sind es nur 129. Jedoch soll diese Zahl in den nächsten Jahren deutlich steigen. Die Ein-stiegsmöglichkeiten sind hier ein Training-on-the-Job-Programm oder ein Volontariat. Gesucht werden teamfähige Personen mit Führungsqualitäten und Unternehmergeist.

Offen für junge Mitarbeiter aus den geisteswissenschaftlichen Fächern zeigt sich auch die Branche der Unternehmens- und Personalberater. The Boston Consulting Group stellt jährlich rund sieben Prozent Geisteswissenschaft-lerinnen und -wissenschaftler ein, zusammen mit anderen Fachfremden wie Medizinerinnen und Medizinern, Juristinnen und Juristen. Als Einstieg gibt es hier eine zweiwöchige betriebswirtschaftliche Grundausbildung. Dem früheren Chef und aktuellem Leiter des Strategieinstituts der Consulting Group, Bolko von Oetinger, sind vor allem assoziatives Denken und unge-wöhnliche Sichtweisen wichtig. Außerdem wesentlich ist eine ausgeprägte Analysefähigkeit.

Bei den Beraterinnen und Beratern ist das Studienfach insgesamt eher zweitrangig. Viel wichtiger sind sehr gute Noten, Soft Skills und Auslands-erfahrung, Praktika und einwandfreies Englisch. Da die Anforderungen an Beraterinnen und Berater sehr hoch sind, haben Bewerberinnen und Be-werber hier zunächst recht aufwendige Tests zu durchlaufen. Telefonischen und persönlichen Vorstellungsgesprächen folgen Assessment-Center. Ökonomisch interessierte und gebildete Geisteswissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler haben hier jedoch durchaus gute Chancen und sollten vor einer Bewerbung nicht zurückschrecken.

Auch andere Top-Arbeitgeber wie Capgemini, Coca-Cola, DATEV,
Elektrobit Automotive, Evonik Industries, die TUI Travel PLC, die Postbank und Carl Zeiss geben an, Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler einzustellen.

Umfangreiche Informationen zum Thema der Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Wirtschaft bietet auch der Business-Weblog www.unternehmensgeist.de.

Arbeiten an der Hochschule


Fast 39 Prozent der Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind in Hochschulen und weiteren Bildungseinrichtungen beschäftigt, so die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung. 24,4 Prozent dieser Arbeitgeber führen an, Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aufzunehmen – die höchste Prozentzahl aller Befragten. Jedoch hat der Hochschulbereich seit Jahren einen Stellenabbau zu verzeichnen, was die Lage gerade für Geistes-wisenschaftlerinnen und -wissenschaftler schwieriger werden lässt.

Stellen in Bibliotheken sind ebenso eher dünn gesät. An Nachwuchsbiblio-thekarinnen und -bibliothekare wurden im vergangenen Jahr rund 60 feste Arbeitsplätze von Hochschulbibliotheken und Forschungseinrichtungen vergeben. Neben Absolventinnen und Absolventen mit bibliothekarischem Studienabschluss werden solche aus den Fachrichtungen gesucht, auf die sich die jeweilige Bibliothek spezialisiert hat. Gabriele Beger, die Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands, prognostiziert für ihre Branche ein etwa gleich bleibendes Stellenangebot. Sie betont darüber hinaus, dass auch Mitarbeitende in Bibliotheken heutzutage mehr als früher eine Service-mentalität zeigen müssen. Eine gute Sozialkompetenz ist ebenso wichtig wie vorhandene IT-Kenntnisse, um beispielsweise eine virtuelle Bibliothek aufzubauen oder einen Weblog zu betreuen.

Stellen an den Hochschulen


Über den Ausschreibungsdienst des Hochschulverbands können alle in Deutschland ausgeschriebenen Professorenstellen abonniert werden (www.hochschulverband.de). Ansonsten sind die Internetseiten der je-weiligen Hochschulen einzusehen.


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