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Praktikum nach Studienabschluss?


von Mira-Kristin Muth

Wie viele Praktika im Lebenslauf sind nötig, um den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben zu schaffen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?

Zunächst einmal ist es nicht die Masse, die es hier macht, sondern die Qualität der Praktika. Besonders viele Praktika bezeugen nicht nur Ihr Engagement, sondern auch, dass Sie bis jetzt nirgendwo Fuß fassen konnten.

Der Zeitpunkt des ersten Praktikums sollte am besten bereits in den
zweiten Semesterferien liegen. Auf jeden Fall jedoch sollten Sie vor Ende des Studiums praktische Erfahrungen gesammelt haben. Viele Studierende absolvieren auch nach Studienabschluss noch Praktika, einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge sogar 44 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer. Während die Hälfte dieser Praktika unbezahlt bleibt, erhalten die bezahlten Praktikantinnen und Praktikanten je nach Branche durch-schnittlich 600 Euro.

Ohne finanzielle Bezuschussung von anderer Seite ist der Lebensunterhalt für die meisten nicht gesichert. Die Praktikantinnen und Praktikanten sind also finanziell abhängig, außerdem weder renten- noch arbeitslosenver-sichert. Die Hans-Böckler-Stiftung bezeichnet solche Praktikumsphasen nach dem Studium als prekäre Beschäftigungsform und spricht von „ver-deckter regulärer Beschäftigung“. Besonders Geistes-, Kultur- und Sozial-wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sehen sich gezwungen, trotz Studienabschluss als Praktikanten gegen geringe oder sogar keine Be-zahlung zu arbeiten, aber auch Wirtschafts- und Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Mathematikerinnen und Mathematiker.

Überbrückung der Arbeitslosigkeit


Als Grund für Praktika nach dem Studium geben die Absolventinnen und Absolventen neben der beruflichen Orientierung die Überbrückung der Arbeitslosigkeit an. Im Lebenslauf klafft keine Lücke und darüber hinaus besteht die Hoffnung auf eine Festanstellung, welche allerdings laut Hans-Böckler-Stiftung nur bei 23 Prozent tatsächlich erfolgt.

Grundsätzlich gilt: So sehr das Praktikum auch der Sammlung von beruf-licher Erfahrung dienen mag, sollte es niemals zur Ausnutzung durch die Firma werden. Da gesetzlich keine Bestimmungen hinsichtlich eines Prak-tikums existieren, ist hier Vorsicht geboten. Klären Sie bereits im Vorfeld die Bedingungen Ihrer Beschäftigung wie Ihre Tätigkeiten, Entlohnung und Versicherungen. Sehen Sie sich selbst als vollwertige Mitarbeitende. Hilf-reich ist es, in regelmäßigen Abständen Feedbackgespräche mit dem oder der Betreuenden zu führen, in denen beide Seiten zu Wort kommen und Fragen sowie Probleme geklärt werden können. Trauen Sie sich anzu-sprechen, wenn Sie sich unangemessen behandelt fühlen oder Sie über-fordert sind!

Welche Fachrichtungen sind betroffen?


Die folgende Auflistung informiert geordnet nach Fachrichtung über den Anteil der Universitätsabsolventinnen und -absolventen, die nach dem Studium als Praktikantin oder Praktikant tätig werden. Besonders Sprach- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind betroffen.

  2 % Elektrotechnik
  4 % Maschinenbau
  5 % Physik
  6 % Chemie
  8 % Informatik
  9 % Rechtswissenschaften
10 % Mathematik
14 % Pädagogik
20 % Biologie
20 % Psychologie
21 % Wirtschaftswissenschaften
26 % Sprach- und Kulturwissenschaften

Quelle: HIS

Aufpassen!


Unternehmen, die Praktikantinnen und Praktikanten eher "ausbeuten" als auf den Berufseinstieg vorbereiten, erkennen Sie daran, dass sie

  • ein fertiges Studium voraussetzen,
  • das Praktikum nicht vergüten,
  • Praktika mit einer Dauer von mehr als sechs Monaten anbieten,
  • ganz spezielle Vorkenntnisse erwarten und
  • Praktikantinnen und Praktikanten mit der vagen Aussicht auf eine feste Stelle ködern.

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